Jack Abbotts Schatz vereint die langen Erzählungen von Rael Wissdorf, sowie einige der kurzen, wie „Die Wanne“ und „Der Rabe“. Sind seine Kurzgeschichten oftmals nur Momentaufnahmen aus einem nicht weiter kommentierten Geschehen, so sind die langen Erzählungen im Grunde vollständige Kurzromane. Dabei bewegt sich Wissdorf hier durch alle Genres: Seeabenteuer, Science-Fiction, Spukgeschichte, Blanker Horror, Märchen, Historischer Krimi und Liebesroman. Es ist sozusagen für Jeden etwas dabei.

In diesen phantasievollen Erzählungen geht es um ein drogensüchtiges Meeresungeheuer, einen Kartenspieler, der gegen den Teufel antritt, ein völlig verspuktes Haus am Bodensee, um einen übelgelaunten Zauberer, einen Weltenspringer, ein ver-träumtes indisches Mädchen und einen Minnesänger, der als Kommissar ermittelt. Aber immer geht es um Schicksale und stets sind sie mit einem Augenzwinkern erzählt.

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Die Geschichte hinter der Geschichte (Der Autor über das Buch):

 Die vorliegenden Stories bilden einen Querschnitt meines „Schaffens“ (meine Güte, klingt das hochtrabend) der letzten 25 Jahre. Insofern könnte man das durchaus als „Thema“ bezeichnen: 25 Jahre Geschichten von Rael Wissdorf. Jede dieser Geschichten hat ihre Geschichte. Ich weiss noch genau, wann ich sie schrieb, in welcher Lebenssituation ich war und was ich dabei empfand. Für mich ist das also ein nettes Stück Biographie, und ich hoffe, Sie hatten beim Lesen wenigstens ein wenig Spass (eitle Hoffnung eines Autors, ich hoffe man verzeiht mir das). Ok, wollen Sie’s wissen? Einige Anekdoten um diese Stories? Gut, wenn nicht, klicken Sie halt einfach weiter.

 Die Wanne: hey, das war mein grösster literarischer Erfolg. Ich schrieb sie 1987, als ich am Bodensee wohnte, grässlich langweilige Gegend und Internet gabs damals noch nicht, es war einsam, wie am Nordpol. In Konstanz gabs dieses elitäre Literaturmagazin namens „Wandler“ und denen schickte ich diese Story. Mein Stolz ist hier der Anfang der Geschichte, da sie mit dem Wort „dann“ beginnt: „Dann hielt sie ihren Finger in das Badewasser“, das fand ich damals schlicht genial; mein Autorenkollege und Freund Harald Evers nannte es „dämlich“ aber ich blieb stur. Die Geschichte wurde vom elitären Wandler genommen, und ich sah mich schon dem Büchnerpreis entgegenwanken. Die größte Genugtuung kam aber gute 15 Jahre später, denn da hatte doch tatsächlich eine Schulklasse aus Brandenburg diese Geschichte im Deutschunterricht gelesen und man fragte mich nun per Email nach meiner eigenen Intention dazu. Whow! Hey Kids, ihr habt mich damals wirklich stolz gemacht. Für ein paar Minuten hielt ich mich für einen bedeutenden deutschen Literaten, habt Dank dafür!

Bombay Business: Wie sich viele denken können, ist diese Geschichte ein wenig biographisch. Hehe, genau genommen, hat sich das auch wirklich so zugetragen, denn ich war dieser dämliche Jonas. Nicht zu verwechseln mit „Die Deva“, das war NICHT ich! Aber für diese Bombay Story habe ich tatsächlich mal einen Kulturpreis gewonnen, immerhin 2000 DM, damals eine Menge Geld für mich und ich lud meine Freunde zum Essen ein. (Hinweis: diese Geschichte ist in diesem Sammelband nicht enthalten)

Ree! Die Geschichte hat auch einen biographischen Hintergrund, denn diese Marina gab es tatsächlich. Und ich war verknallt in die. Und sie hatte einen ätzenden Exmann, der wirklich ein Sackgesicht war. Und mit dieser Geschichte hab ich versucht, mich bei ihr einzuschleimen und gleichzeitig dem Kotzbrocken eins auszuwischen. Ist beides nicht gelungen, aber die Geschichte ist doch einfach nur süss, oder?

Wandler. Zu dieser Geschichte inspirierte mich eine Story von R.A. Lafferty, „Die Sechs Finger der Zeit“. In dieser Geschichte geht es darum, dass ein Mann zum „Flash“ wird, also superschnell, weil die Zeit für ihn anders verläuft. Bei mir dagegen um Parallelwelten. Ich weiss heute nicht mehr, warum der Protagonist bei der Einwanderungsbehörde arbeiten will, aber ich muss wohl meine Gründe gehabt haben. Ein anderer, der für die Story Pate stand, war Franz Kafka.

Jack Abbots Schatz ist eine Hommage an alle Seefahrer Romane, die ich gelesen hatte, sowie an Jack London direkt. Geschrieben wurde sie für eine Anthologie mit Weihnachtsgeschichten.

Ich finde es schön, dass diese Erzählungen nun in einem Band versammelt sind, denn dann sind sie nicht so alleine. Und wer weiss, vielleicht findet sich ja die eine oder andere Lieblingsgeschichte darunter, die in Leser mal seinen Kindern vorliest. Darüber würde ich mich freuen.

Rael Wissdorf im Jahr 2008.