FLEURISSEN

Ein Roman wie ein Blitz in Zeitlupe.

Es gibt Bücher, die entstehen, weil ein Autor eine Idee hat.
Und es gibt Bücher, die entstehen, weil eine Idee einen Autor hat – jahrelang, jahrzehntelang, unerbittlich.

Fleurissen gehört zur zweiten Sorte.

Der Trivocum Verlag ist stolz – ja: stolz im altmodischen, selten gewordenen Sinn – diesen Roman veröffentlichen zu dürfen. Nicht, weil „Meisterwerk“ ein hübsches Wort für Marketingbroschüren wäre. Sondern weil es hier einmal zutrifft: Fleurissen ist das Opus Magnum von Rael Wissdorf. Ein Buch, das nicht geschrieben wurde, um den Markt zu bedienen, sondern um eine Welt zu vollenden, die sich über vierzig Jahre im Inneren eines Autors gesammelt, verdichtet, verwandelt hat.

Vierzig Jahre.
So lange dauert es manchmal, bis ein Stoff seinen endgültigen Klang findet. Bis Figuren nicht mehr nur Figuren sind, sondern Schicksale. Bis aus einer Idee ein Kosmos wird. Bis sich die Zeit selbst – Thema, Motiv und Treibstoff dieses Romans – in den Text hineinfrisst und ihn zugleich trägt.

Und dann ist er da: ein großer Roman.


Worum es geht – und warum das nicht reicht

Fleurissen ist eine Geschichte über Familien, über Vererbung, über Schuld und Herkunft, über die Frage, was wir aus uns machen – und was aus uns gemacht wird.

Es ist aber auch ein Roman über einen Mechanismus, der das Erzählen selbst verändert: den Nexus.

Der Nexus ist kein Zauberstab. Kein Hokuspokus. Kein „Lichtblitz, fertig“.
Der Nexus ist ein Werkzeug, das die Realität weich macht – biegsam, verhandelbar, manipulierbar. Er ist die Schnittstelle zwischen Welt und Möglichkeit. Er ist das, was passiert, wenn Magie sich nicht als Märchen tarnt, sondern als System.

Und genau hier liegt das Herzstück von Fleurissen: in einer Form der Magie, die zugleich modern und archaisch wirkt.


Quantenmagie – eine moderne Spielart des wissenschaftlichen Worldbuildings

Rael Wissdorf nennt es im Roman Quantenmagie: eine märchenhaft verfremdete, literarisch zugespitzte Spielart dessen, was die moderne Physik an Staunen und Unbehagen produziert hat.

Dabei geht es nicht um Lehrbuch-Korrektheit. Es geht um etwas Anderes:
um das Gefühl, dass die Wirklichkeit nicht so stabil ist, wie wir tun.
Dass es Risse gibt. Übergänge. Schlupflöcher. Paradoxa.

Fleurissen erzählt Magie nicht als „Glaubensfrage“, sondern als Konsequenz.
Und jede Konsequenz hat ihren Preis.

Der Nexus ist Macht.
Und Macht ist nie neutral.


Die geheime Welt – und die, die sie beherrschen wollen

Vor der Kulisse Italiens – zwischen Florenz, Seen, Hügeln, Villen, dunklen Grotten und dem feinen Staub alter Steine – entfaltet sich eine geheime Ordnung, ein unsichtbarer Krieg, geführt von Familien, Organisationen, Traditionen.

Da ist das Erbe zweier Blutlinien, die sich seit Jahrhunderten belauern, bekämpfen, ausnutzen.
Da ist die Frage, wer jagt – und wer gejagt wird.
Da ist eine Struktur des Bösen, die nicht aus Masken und Monologen besteht, sondern aus Systemen, Tarnungen und Zweckrationalität.

Und mitten darin: Cesare Fleurissen.

Ein Junge – und doch bereits eine Schlüsselfigur.
Ein Kind, das nicht nur „begabt“ ist, sondern gefährlich. Nicht, weil es böse wäre, sondern weil es fähig ist, Türen zu öffnen, die niemand offen sehen will.

Denn Fleurissen kennt eine Wahrheit, die sich durch den ganzen Roman zieht:

Die Dunkelheit ist nicht das Fehlen von Licht. Diese Dunkelheit ist die Umkehr der Physik.


Warum dieser Roman bleibt

Fleurissen ist groß, weil er sich Zeit nimmt. Weil er seine Welt nicht auf eine Idee reduziert, sondern aufbaut wie eine Kathedrale: Stein auf Stein, Bogen auf Bogen, Schatten auf Schatten.

Er ist ein Roman mit epischer Atmosphäre – und zugleich mit intimem Kern.
Ein Roman, der von äußeren Bewegungen lebt (Flucht, Suche, Jagd, Enthüllung) und von inneren Spannungen (Herkunft, Loyalität, Schuld, Versuchung).

Er ist ein Roman für Leserinnen und Leser, die mehr wollen als Plot:
die Welt wollen. Dichte. Sog. Gravitation.

Und vielleicht auch das: eine Geschichte, die sich nicht anbiedert.
Die nicht erklärt, um zu beruhigen.
Sondern erklärt, um tiefer hinein zu ziehen.


Ein Buch, das sein eigenes Tempo hat

Wir erleben gerade eine Zeit, in der vieles schnell sein muss: schneller Content, schnellere Meinungen, schnellere Bücher. Fleurissen macht da nicht mit.

Fleurissen sagt:
Nimm dir Zeit. Ich habe sie mir auch genommen.

Vierzig Jahre Arbeit stecken nicht in jeder Zeile – aber in der Art, wie die Zeilen stehen. In der Architektur. In der Haltung. In dieser seltenen Mischung aus literarischer Eleganz und erzählerischer Wucht.

Der Trivocum Verlag veröffentlicht Fleurissen deshalb nicht nur als Titel im Programm, sondern als Ereignis.

Ein Roman wie ein Blitz in Zeitlupe.
Man sieht ihn kommen. Man spürt ihn. Und wenn er einschlägt, bleibt etwas zurück, das man nicht mehr los wird.